Rund ums Nähen

Saumarten: Die wichtigsten Basics für Einsteigerinnen beim nähen

perfekt genähter Saum

Was Saumarten so wichtig macht

Schon beim ersten Kleidungsstück stellt sich die Frage: Welche Saumarten gibt es – und welche passt zu meinem Projekt? Der Saum bildet den sichtbaren Abschluss eines Rockes, Kleides, einer Hose oder Jacke. Er entscheidet, wie der Stoff fällt, wie langlebig die Kante ist und ob das fertige Teil eher selbst gemacht oder professionell wirkt.

Ein gut gewählter Saum unterstützt die Linienführung des Schnittes, harmoniert mit dem Material und fühlt sich beim Tragen angenehm an. Deshalb lohnt es sich, die wichtigsten Saumarten genau zu kennen und bewusst einzusetzen.

Wie Saumarten das Erscheinungsbild von Kleidung verändern

Verschiedene Saumarten erzeugen völlig unterschiedliche Wirkungen. Ein breiter, abgesteppten Saum wirkt sportlich und robust, ein feiner Rollsaum leicht und verspielt. Ein Blindstichsaum verschwindet optisch fast vollständig und verleiht Kleidern, Röcken oder Mänteln eine elegante Note.

Auch der Tragekomfort wird beeinflusst: Dehnbare Säume an Jersey und Strick sorgen dafür, dass sich das Kleidungsstück mit jeder Bewegung angenehm mitdehnt, während zu steife Säume schnell einschränkend wirken können.

Die wichtigsten Saumarten im Überblick

Es gibt eine Vielzahl von Techniken, doch einige Grundtypen kommen beim Kleidung nähen immer wieder vor. Wer diese beherrscht, ist für die meisten Nähprojekte bestens gerüstet.

Umschlagsäume – die Klassiker unter den Saumarten

Zu den bekanntesten Saumarten gehören der einfache und der doppelte Umschlagsaum.

Beim einfachen Umschlagsaum wird die Saumzugabe einmal nach links (Stoffinnenseite) eingeschlagen, sorgfältig gebügelt, fixiert und mit einem Geradstich knapp abgesteppt. Diese Variante eignet sich gut für stabile Stoffe und Stellen, die nicht extrem beansprucht werden.

Der doppelte Umschlagsaum bietet eine besonders saubere und haltbare Lösung. Dabei wird die Kante zunächst um etwa 1 cm eingeschlagen und gebügelt, anschließend noch einmal um die gewünschte Saumbreite eingeschlagen und erneut gebügelt. Danach wird die Bruchkante abgesteppt. Diese Saumart findet sich häufig an Röcken, Hosen, Blusen oder Hemden aus Webware.

Versäuberter Saum – sauber auch auf der Innenseite

Eine weitere häufig genutzte Saumart ist der versäuberte Saum. Hier wird die offene Kante zunächst mit Overlock oder Zickzackstich versäubert. Anschließend wird die Saumzugabe einmal nach innen eingeschlagen, gebügelt und abgesteppt.

Diese Technik vereint zwei Vorteile: Die Innenseite wirkt ordentlich und die Kante franst nicht aus, gleichzeitig bleibt der Saum vergleichsweise flach. Sie eignet sich besonders für ungefütterte Jacken, Mäntel, Blusen oder Kleider, bei denen die Innenseite gelegentlich sichtbar ist.

Rollsaum und schmale Säume für feine Stoffe

Für leichte, fließende Stoffe wie Viskose, Chiffon oder dünne Baumwolle sind besonders zarte Saumarten gefragt. Ein klassisches Beispiel ist der Rollsaum.

Mit der Overlockmaschine lässt sich ein Rollsaumstich einstellen, der den Stoff sehr schmal einrollt und dicht umsticht. An der Nähmaschine kommt häufig ein spezieller Rollsaumfuß zum Einsatz, der den Stoff beim Nähen einrollt und so einen feinen Abschluss erzeugt.

Eine Alternative ist der schmale Doppelsaum: Die Kante wird zunächst um etwa 0,5 cm eingeschlagen,  anschließend folgt ein weiterer Einschlag von etwa 0,5 cm und  knappkantige Steppnaht. So entsteht ein leichter, aber stabiler Saum, der den Fall des Stoffes kaum beeinflusst – ideal für Volants, schwingende Röcke und luftige Sommeroberteile.

Blindstich – fast unsichtbare Saumarten

Zu den besonders eleganten Saumarten gehört der Blindstichsaum. Ziel ist es, die Naht von außen möglichst unauffällig zu halten. Wirklich „unsichtbar“ wird der Blindstich allerdings vor allem bei dickeren oder etwas dichteren Stoffen, zum Beispiel Wollstoffen, Mantelstoffen oder mittelschweren Anzug- und Kostümstoffen. Die Stoffdicke sorgt dafür, dass der Faden optisch im Material verschwindet.

Beim handgenähten Blindstich wird die Saumzugabe nach innen geschlagen und mit kleinen Stichen befestigt. Dabei werden nur einzelne Fädchen der Oberstoffseite aufgenommen, ohne den Stoff komplett zu durchstechen. Durch den dickeren Stoff „verstecken“ sich diese Mini-Stiche sehr gut, auf der rechten Stoffseite sind sie kaum zu erkennen.

Viele Nähmaschinen besitzen zusätzlich einen Blindstich. Hier wird der Saum so gefaltet, dass die Maschine überwiegend in der Saumzugabe näht und nur in regelmäßigen Abständen ganz leicht in den Oberstoff hineinsticht. Auch hier gilt: Je dichter und dicker der Stoff, desto weniger fallen diese Einstiche auf. Bei sehr dünnen, glatten Materialien können die kleinen Punkte dagegen deutlich sichtbar werden – in solchen Fällen sind andere Saumarten wie gesteppte Säume oft die bessere Wahl.

Der Blindstichsaum eignet sich daher besonders gut für:

  • schlichte Kleider aus etwas festeren Stoffen,
  • Business-Röcke aus Woll- oder Kostümstoffen,
  • hochwertige Jacken- und Mantelsäume,

    bei denen eine sichtbare Steppnaht optisch stören würde, der Stoff aber genügend Volumen bietet, um den Faden zu „verstecken“.

Dehnbare Saumarten für Jersey und Strick

Bei elastischen Stoffen wie Jersey oder Sweat sind Saumarten gefragt, die Dehnung zulassen. Besonders bewährt haben sich hier Zwillingsnadel-, Coverstich- und Bündchensäume.

Beim Zwillingsnadel-Saum wird mit zwei parallel verlaufenden Nadeln genäht. Auf der rechten Stoffseite entstehen zwei parallele Geradstichreihen, auf der linken Seite ein zickzackförmiger Fadenverlauf, der die notwendige Dehnung ermöglicht. So lassen sich T-Shirts, Jerseysäume und Leggings sauber und elastisch abschließen.

Wer eine Covermaschine besitzt, kann mit speziellen Covernähten arbeiten. Sie erzeugen ähnlich wie die Zwillingsnadel zwei oder drei parallel verlaufende Nähte auf der rechten Seite, während die Unterseite dehnbar bleibt.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, ein Bündchen anzunähen. Hier wird ein Stück Bündchenware oder dehnbarer Stoff zu einem Ring geschlossen, gedehnt an die Öffnung (z.B. Saum, Ärmel, Halsausschnitt) angenäht und danach nach unten geklappt. Bündchensäume sind besonders beliebt bei sportlicher Kleidung, Sweatjacken, Hoodies oder Kinderkleidung.

Saumarten Schritt für Schritt sicher anwenden

Wer die Theorie kennt, möchte sie natürlich auch in der Praxis umsetzen. Mit wenigen Grundschritten lassen sich die verschiedenen Saumarten kontrolliert und sauber nähen.

Stoff und Saumart passend wählen

Am Anfang steht immer die Frage nach dem Material:

  • Dehnt sich der Stoff oder ist er starr?
  • Handelt es sich um einen leichten, fließenden oder um einen schweren, stabilen Stoff?

Leichte Stoffe profitieren von schmalen Saumarten wie Rollsaum oder feinem Doppel-Saum. Schwere Stoffe wie Jeans oder Mantelstoffe kommen mit stabileren, breiteren Umschlagsäumen besser zur Geltung. Bei elastischen Stoffen empfiehlt sich grundsätzlich eine dehnbare Saumart.

Saumzugaben exakt vorbereiten

Damit Saumarten sauber wirken, ist eine genaue Vorbereitung entscheidend. Die im Schnittmuster angegebene Saumzugabe sollte exakt auf den Stoff übertragen werden. Anschließend lohnt es sich, die Saumlinie sorgfältig zu markieren.

Vor dem Nähen wird die Saumzugabe entsprechend der gewählten Technik eingeschlagen, sorgfältig gebügelt und mit Nadeln oder Clips fixiert. Schon dieser Schritt sorgt dafür, dass die Saumkante später gerade verläuft und nicht aus Versehen „wandert“.

Bügeln – der Schlüssel zu professionellen Saumarten

Bügeln ist bei allen Saumarten ein unverzichtbarer Arbeitsschritt. Vor dem Nähen fixiert Dampf das Einschlagen und sorgt dafür, dass der Stoff sich an die gewünschte Form anpasst. Nach dem Nähen glättet das Bügeln die Naht und bringt den Saum in seine endgültige Lage.

Ob einfacher Umschlagsaum, Blindstich oder Bündchensaum – ein einmal gründlich gebügelter Saum wirkt sofort deutlich professioneller und wertiger.

Saumarten und Figur – was schmeichelt wem?

Auch die Wirkung auf die Körperform spielt bei der Wahl der Saumarten eine Rolle. Breite, steife Säume können schnell auftragen oder den Blick an der ungünstigen Stelle festhalten, während schmale, weiche Säume die Silhouette optisch strecken und Beweglichkeit geben.

Saumlängen und -breiten bewusst einsetzen

Neben der Art des Saums beeinflusst auch seine Breite das Gesamtbild. Ein schmaler Saum lässt Rockteile und Kleider freier schwingen und wirkt oft eleganter. Ein etwas breiterer Saum kann bei Hosen oder schweren Stoffen zu einem schönen, stabilen Abschluss führen.

Besonders bei Röcken und Kleidern ist die Saumlänge entscheidend. Je nach Körpergröße und Proportion kann ein leicht angepasster Saumverlauf Wunder wirken. Kombiniert mit der passenden Saumart entsteht ein harmonisches Gesamtbild, das sowohl bequem als auch schmeichelhaft ist.

Saumarten als Stilmittel in verschiedenen Kleidungsstücken

In Kleidern, Röcken, Hosen, Jacken und Mänteln werden Saumarten ganz gezielt eingesetzt, um den gewünschten Stil zu unterstreichen:

  • Schlichte Kleider und Business-Röcke profitieren von schmalen, ruhigen Abschlüssen, etwa durch Blindstich oder schmalen Umschlagsaum.
  • Lässige Hosen oder Freizeitkleidung vertragen sichtbare Steppnähte und breitere Umschlagsäume.
  • Sommerliche Kleider und Blusen mit viel Bewegung wirken mit Rollsäumen oder sehr schmalen Doppelsäumen besonders leicht.

Häufige Fehler rund um Saumarten – und wie man sie vermeidet

Viele Ärgernisse beim Nähen entstehen kurz vor Schluss. Mit etwas Hintergrundwissen lassen sich typische Probleme bei Saumarten jedoch gut vermeiden.

Unpassende oder fehlende Saumzugaben

Zu wenig oder zu viel Saumzugabe führt schnell dazu, dass Längen nicht passen oder Seitennähte unruhig wirken. Ein Blick in das jeweilige Schnittmuster zeigt, ob die Saumzugabe bereits enthalten ist oder extra hinzugefügt werden muss. Sorgfältiges Übertragen der Markierungen ist hier besonders wichtig.

Wellen, Falten und verzogene Säume

Welligkeit entsteht oft, wenn der Stoff während des Nähens zu stark gezogen wird oder die Fadenspannung und Stichlänge nicht zum Material passen. Ein Probestück aus demselben Stoff hilft, geeignete Einstellungen zu finden. Außerdem sollte der Stoff unter dem Nähfuß nur geführt, nicht gezogen werden.

Nach dem Nähen trägt erneutes Bügeln viel dazu bei, die Saumkante zu glätten und kleine Unregelmäßigkeiten zu beheben.

Ausfransende Kanten und unruhige Innenseiten

Gerade bei Webware franst die Stoffkante schnell aus. Hier bewähren sich Saumarten, bei denen die Kante vor dem Umschlagen versäubert wird, etwa mit Overlock oder Zickzackstich. Alternativ kann ein doppelter Umschlagsaum gewählt werden, bei dem die rohe Kante komplett eingeschlossen ist.

So bleibt die Innenseite ordentlich, selbst wenn der Saum bei Bewegung oder Sitzen sichtbar wird.

Fazit – Saumarten als Baustein für professionelle Nähprojekte

Wer sich mit verschiedenen Saumarten vertraut macht, legt den Grundstein für Kleidung, die nicht nur selbst genäht, sondern auch selbstbewusst getragen wird. Jede Saumart hat ihre Stärken:

  • Umschlagsäume sind vielseitig und robust,
  • versäuberte Säume sorgen innen wie außen für Ordnung,
  • Roll- und schmale Säume bringen Leichtigkeit,
  • Blindstichsäume stehen für Eleganz,
  • dehnbare Säume und Bündchen schenken Komfort.

Mit etwas Übung und der passenden Technik wird der Saum nicht länger zur „kritischen letzten Hürde“, sondern zu einem Gestaltungselement, das deine Nähprojekte abrundet und ihnen eine hochwertige Ausstrahlung verleiht.

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